![]() |
|
Die Magie der Toskana - Mario Luzi über die Val d' Orcia
Hier, von dieser Oase aus, die mich gastfreundlich während meines Exodus empfängt, erahne ich den Müßiggang der Greise, höre ich den ansteigenden Lärm, dumpf und heiser, der in den Gesang der Vögel mündet, die Ruhe, den Schrei der Glückseligkeit, die den Tag erfüllt, die Arbeitsamkeit des Tales, die sich überträgt und in den Arbeiten der Handwerker ihren Widerhall findet, im Lärm der Traktoren auf den Ackerfurchen. Und noch ... eine lärmende Stille, die Stimme der Natur, des Universums. Nein, noch mehr: einen fortdauernden Dialog, immer gegenwärtig, den wir manchmal mit lückenhaften, improvisierten Reden unterbrechen. In ihrem Nest der Einsamkeit, während der Tag die Menschen und Dinge der Erde verlässt und aus den Tälern dieser Hügellandschaft entflieht, um zwischen den tiefen Furchen der Biancane zu verschwinden, entwickelt so die Seele eine Sehnsucht nach ihresgleichen, dem Kontakt zur Welt der Menschen, denn im Getrenntsein gewinnt die Gemeinsamkeit an Wert. Die Schwermut im Herzen wird dann zu einer alles umfassenden Nächstenliebe, die aus dem tiefgreifenden Verständnis für die Vergänglichkeit des Menschen, des Lebens und der Schönheit herrührt. Und all das ist Erwartung, Verheißung ... Mario Luzi , Interpretationsversuch aus „Terre di vento e di deserto“ in Mi guarda Siena Mario Luzi, poetica 20.10.1914 – 28.02.2005 Hier als Auszug aus dem Reiseführer Magie der Val d'Orcia Anschauen oder Zurück |
|
|
|